Biegetechnik

Biegen sieht einfach aus, ist aber komplex

Neben dem Lasern und Stanzen gehört das Abkanten zu den wichtigsten Verfahren in unserem Betrieb. Mit unserem großen Maschinenpark und langjährigen Erfahrung bringen wir auch Ihr Blech in die richtige Form.

Man unterscheidet fünf Arten bei der Biegetechnik.

FREIBIEGEN

Beim Freibiegen drückt der Stempel das Werkstück in die Matrize, ohne es an die Gesenkwände zu pressen. Während der Stempel nach unten fährt, biegen sich die Schenkel des Werkstückes nach oben und der Winkel entsteht. Je tiefer der Stempel das Werkstück in die Matrize hineindrückt, desto spitzer wird der Winkel. Zwischen Stempel und Matrize bleibt dabei ein Freiraum.
Man spricht beim Freibiegen von einem wegabhängigen Verfahren. Für jeden Winkel ist ein bestimmter Weg nötig. Die Maschinensteuerung berechnet diesen Weg und gleichzeitig die zugehörige Presskraft. Weg und Presskraft sind abhängig von den Werkzeugen sowie den Material- und Produkteigenschaften (Winkel, Länge).

Vorteile

Das Freibiegen ist ein Standardverfahren, mit dem sich alle Winkel von 30 bis 179 Grad fertigen lassen. Es wird besonders häufig eingesetzt, weil es kostengüstiger und flexibler ist als andere Verfahren. Geringere Presskräfte erlauben es, kleinere und günstigere Maschinen einzusetzen.
Außerdem lassen sich verschiedene Winkel mit dem gleichen Werkzeugsatz herstellen.

Genaue Winkel

Ein Nachteil des Freibiegens war bis Mitte der 1990er Jahre die eingeschränkte Winkelgenauigkeit. Denn Blech wird beim Freibiegen nicht nur plastisch und dauerhaft, sondern auch elastisch verformt: Fährt der Stempel wieder nach oben, entspannen sich die Schenkel des Werkstückes und federn zurück. Dabei verändert sich der Winkel.
Mittlerweile messen Sensoren den Winkel, während das Material zurückfedert. Wenn nötig, lösen sie automatisch einen Nachbiegevorgang aus. Damit minimieren sich die Winkelabweichungen auf plus /minus 0,3 Grad.

PRÄGEBIEGEN

Beim Prägebiegen presst der Stempel das Werkstück vollständig in die Matrize, so dass zwischen Matrize, Werkstück und Stempel kein Freiraum mehr bleibt. Man nennt diesen Vorgang Formschluss. Stempel und Matrize müssen genau ineinander passen. Deshalb benötigt man für jeden Winkel und jede Form einen eigenen Werkzeugsatz. Ist das Werkstück ganz eingepresst, kann sich der Stempel nicht weiter nach unten bewegen. Die Maschinensteuerung erhöht die Presskraft jedoch so lange weiter, bis der vorgegebene Wert erreicht ist. Dadurch steigt der Druck auf das Werkstück, und es nimmt die Konturen von Stempel und Matrize an. Unter dem hohen Druck stabilisiert sich der Winkel, so dass die Rückfederung fast vollständig beseitigt wird. Beim Prägebiegen spricht man von einem kraftabhängigen
Verfahren. Die Presskräfte sind drei- bis achtmal so hoch wie beim Freibiegen.

Einsatzgebiete

Mit dem Prägebiegen fertigt man vorallem 90-Grad-Winkel (Festwinkel) in dünnen Blechteilen, bei denen kleine Biegeradien gefordert sind. Dies ist besonders wichtig bei Kleinteilen in der Massenfertigung und bei Elektronikgehäusen aus der Telekommunikation. Auch wenn Bohrungen, Durchbrüche oder schräg zulaufende Kanten sehr nahe an der Biegelinie liegen, setzt man das Prägebiegen ein. Außerdem
wird das Verfahren für Umformungen genutzt: Kiemen und Sicken, Scharnierrollen oder genau definierte Z-Kantungen entstehen ebenfalls durch Prägebiegen.

FALZEN UND ZUDRÜCKEN

Blechkanten werden häufig ganz umgebogen, zum Beispiel die Ränder von Schachteln. Die Biegeschenkel liegen dann parallel zueinander. Damit macht man entweder das fertige Teil insgesamt stabiler oder erzeugt einen Kantenschutz. Falze werden häufig auch benötigt, um später ein anderes Teil darin einzuhängen.

Prinzip

Das Falzen und Zudrücken erfolgt in zwei Schritten: Im ersten Schritt biegt der Bediener einen Winkel von 30 Grad vor. Anschließend legt er das Werkstück erneut ein und drückt den Winkel zu. Von Falzen spricht man, wenn dabei zwischen den Biegeschenkeln ein Spalt bleibt. Beim Zudrücken werden die Biegeschenkel vollständig aneinander gedrückt. Falzen ist wegabhängig. Zudrücken dagegen ist kraftabhängig.

Nachsetzen

Müssen sehr große Radien gefertigt werden, biegen wir sämtliche geforderten Radien durch "Step-Kantungen". Hierbei wird das Blech Schritt für Schritt mit unterschiedliche starken Kantungen gebogen, sodass der gewünschte Radius entsteht. Die millimetergenaue Einstellung von Stempel und Anschlag übernimmt die CNC-Steuerung der Maschine. Das Rundungsmaß wird somit durch eine Vielzahl von kleinen Kantungen erreicht.

Runden

Wird ein großer, glatter Radius gewünscht, verwenden wir unsere motorische Rundbiegemaschine. Die Maschine besitzt drei Walzen, zwischen oberer Walze und den beiden unteren ist ein schmaler Spalt durch den das Blech geleitet wird. Die obere Walze kann in der Tiefe verstellt werden und wird dem gewünschten Radius entsprechend nach unten justiert. Die obere Walze drückt dadurch das Blech in den Hohlraum zwischen den beiden unteren Walzen, das Blech wird gerundet. Mit diesem Verfahren können wir Halbschalen, Ringe und Kegel fertigen.

Technische Details

Materialdicken bis zu 25 mm
Abkantlängen bis zu 4000 mm
Presskraft bis zu 230 Tonnen

Unsere Maschinen finden Sie hier.